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Rathauseck Beelitz

Zeitgemäßer Lückenschluss für ein historisches Stadtbild


Städtebauliches Konzept, Architektur

Das Eckgrundstück Berliner Straße/Poststraße ist seit Jahrzehnten nicht bebaut. Jedoch zeigt eine Radierung aus dem Jahr 1837 die historische Gestaltung: Der Platz wurde dominiert vom Rathaus mit einem symmetrischen Dachstuhl; die beiden angrenzenden Bürgerhäuser mit unterschiedlichen Dachformen waren jeweils durch schmale Gassen vom Rathaus getrennt.

Davon ausgehend, schlagen wir einen kompakten, dreigeschossig traufständigen Neubau vor. Dadurch entstehen zwei Gassen, die von der Berliner- und der Poststraße her in das Blockinnere führen. Der Neubau übernimmt einerseits die Gebäudeflucht des benachbarten Rathauses an der Berliner Straße, behauptet dabei jedoch auf den übrigen Seiten eine gewisse Eigenständigkeit, die durch die Fenstergliederung verstärkt wird. Trotz seiner Dreigeschossigkeit ist das Gebäude deutlich kleiner als das Rathaus und macht diesem so keine Konkurrenz.

Wir halten es für richtig und wichtig, dass sich der Neubau von der historisch-überlieferten, kleinteiligen Parzellenstruktur löst und auf seinen Nachbarn bezieht. So ist es folgerichtig, dass der Eingang des Bürgerzentrums und der des Rathauses nebeneinander liegen.

Die massive Bauweise mit einer gemauerten und verputzen Fassade, die tiefen Laibungen, das Ziegeldach sowie die Proportionen und Gliederung des Baukörpers nehmen Bezug auf die Altstadtbebauung.

Die französischen Fenster der Hauptfassade mit ihren seitlichen schmalen Lüftungsflügeln wirken eindeutig zeitgenössisch. Dieses Motiv wird als Relief für die Nebenfassaden fortgeführt. Brüstung- bzw. Sturzfelder ermöglichen kleinere, der Raumnutzung angepasste Fenster.

Zudem schlagen wir vor, als Interpretation der ortsüblichen Gliederungselemente, die in der Gestaltungssatzung vorgesehen sind, die Laibungen mit Betonfertigteilen zu bekleiden.

Nutzung, Barrierefreiheit

Die Nutzung im Gebäude richtet sich nach den Erfordernissen des Raumprogramms. Das Bürgeramt mit dem Wartebereich im Erdgeschoss ist als großzügiger, offener Raum aufgefasst, der nur durch eine offene Verglasung vom Foyer getrennt wird. Die einzelnen Beratungsplätze verteilen sich entlang der Fassaden.

Der zentrale Erschließungskern mit dem Aufzug ist flankiert von einer Nebenraumnutzung mit Sanitärräumen. Ein behinderten-gerechtes WC wird auf jedem Geschoss vorgehalten.

Die Verbindung zum Altbau erfolgt zwischen 1. und 2. OG über eine verglaste Passerelle.

Der Hausanschlussraum ist im Untergeschoss untergebracht. Eingriffe in das Bodendenkmal sind durch die Erfordernisse einer frostfreien Gründung ohnehin zu erwarten, deshalb sehen wir ein begrenztes Untergeschoss vor.

Die Konzeption des Tragwerks sowie die Gebäudeorganisation lassen eine veränderbare Raumaufteilung zu. Damit sind Anpassungen an zukünftige Nutzerwünsche sichergestellt.

Kooperationspartner:
Christoph Keiner Architekt, Hamburg